6.12.2012 Berchtesgaden. Weil er sich in seiner Nachtruhe gestört fühlte, warf ein 22-jähriger Berchtesgadener am Mittwoch, 05.12.2012, mit brennenden Wurfgeschossen nach in Stroh gewickelte Personen, den sogenannten „Buttnmandl“. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln nun wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Beamte des Einsatzzuges Traunstein waren zusammen mit Beamten der Polizeiinspektion Berchtesgaden am gestrigen Abend beim „Buttnmandl-Lauf“, einer Traditionsveranstaltung im Landkreis zur Weihnachtszeit, eingesetzt. Gegen 22.00 Uhr wurden die Polizisten von einem Mitglied einer Krampus-Pass darauf aufmerksam gemacht, dass ein Unbekannter in der Griessstätterstraße von einem Balkon im zweiten Stock „Fackeln“ auf die darunterstehenden Strohmänner geworfen haben soll. Bei der Nachschau konnten tatsächlich zwei angebrannte Wurfkörper gefunden werden. Es handelte sich dabei um Papier, das in Motoröl getränkt und anschließend in Alufolie eingewickelt worden war. Nur durch Glück konnten die brennenden Teile ausgetreten werden, bevor in der dunklen und engen Gasse Menschen zu Schaden kamen.

Im Zuge der Ermittlungen konnte der 22-Jährige etwa eine halbe Stunde nach der Tat ermittelt und festgenommen werden. Der Mann gab bei seiner Vernehmung an, dass er sich über den Lärm der „Buttnmandl“ so geärgert habe, dass er die Wurfkörper bastelte, anzündete und hinunterwarf, um „Ruhe zu haben“. Die weitere Sachbearbeitung wurde der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein übertragen. Gegen den geständigen jungen Mann wurde von der Staatsanwaltschaft Traunstein beim zuständigen Ermittlungsrichter ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags beantragt. Der 22-Jährige wird im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Der „Buttnmandl-Lauf“ (butteln = rütteln, scheppern) ist ein vorweihnachtlicher Brauch im Berchtesgadener Talkessel, der meist am 5. und 6. Dezember (Hl. Nikolaus) ausgeübt wird. Vereinzelt findet der Brauch auch am 1. und 2. Adventssonntag (im Loipl, Winkl Land) oder am 24. Dezember (in Maria Gern) statt. Es ist eine besondere Form des Einkehrbrauchs des Heiligen Nikolaus. Der Heilige erscheint mit unheiligen Begleitern, den Stroh- und Fellbuttnmandln, Krampein und den Ganggerln. Die unheimlichen Gefährten tragen Fell oder Stroh und Glocken und ziehen laut scheppernd von Haus zu Haus. Der Brauch findet traditionell zu „privaten“ Zwecken statt, das heißt z.B. auf die Bestellung von Familien hin, aber die Zahl der Zuschauer steigt.